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Leistungsgesellschaft

Neues Jahr, neues Ich?

von Marilena 4. Januar 2026

Zum Jahresanfang sind sie überall: Neujahrsvorsätze. Und gleichzeitig wirken sie auf viele von uns abgenutzt, moralisch aufgeladen oder wie ein weiterer Akt der Selbstoptimierung.

In dieser Folge frage ich mich, warum wir ausgerechnet am 1. Januar neu anfangen wollen – und woher dieses Ritual eigentlich kommt. Ich spreche über den psychologischen Fresh-Start-Effekt, über die Geschichte der Neujahrsvorsätze und darüber, warum so viele von ihnen scheitern.

Gleichzeitig geht es um philosophische und feministische Kritik an Vorsätzen: Um Selbstoptimierung, Care und die Frage, können Vorsätze auch solidarischer und weniger leistungsorientiert sein?

Shownotes

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► sinneswandel.art

► Nietzsche: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (1874)
► Sartre: Das Sein und das Nichts (1943)
► Byung-Chul Han: Müdigkeitsgesellschaft (2010)
► Sara Ahmed: Das Glücksversprechen. Eine feministische Kulturkritik (2010)
► YouTube: An ethic of care: a conversation with Joan Tronto
► TikTok: laurenwiltse
► Forsa-Umfrage der DAK Gesundheit zu Vorsätzen für 2026
► National Geographic: New Year’s resolutions aren’t a fad—they have endured for thousands of years
► YouTube: Interview mit Katy Milkman
► Langzeitstudie der Universität Scranton zu Neujahresvorsätzen (2021)


Hi und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Ich bin Marilena und ich freue mich, dass ihr heute dabei seid.

TikTok: “Jedes Neujahr schreiben mein Fiancé und ich unsere großen Ziele auf Champagner-Botteln und drücken sie, wenn wir das Ziel erreicht haben. Es ist so ein lustiger Weg, uns gegenseitig accountable zu halten und unsere Gewinne über die Jahre zu feiern.”

Und damit: Happy New Year. Ich weiß nicht, ob eure Neujahrsvorsätze oder Routinen auch so aussehen wie bei diesem Couple, das ich auf TikTok gefunden habe. Aber ich erinnere mich auf jeden Fall noch extrem gut daran, dass früher, als ich im Fitnessstudio angemeldet war, es im Januar immer brechend voll war, weil alle ihre guten Vorsätze hatten. Und dann hat es nicht lange gedauert – nach ein, zwei Wochen war der Laden wieder leer.

Zwischen Selbstoptimierung und ehrlicher Selbstreflexion

Einerseits ist das Thema Neujahrsvorsätze ein bisschen abgedroschen, weil es auch irgendwie verpönt ist. Neujahrsvorsätze gelten schnell als Selbstoptimierung, als etwas, das man sowieso nicht durchzieht.

Und andererseits habe ich gedacht: Eigentlich ist es doch auch total schön. Wann nimmt man sich sonst bewusst die Zeit, zu reflektieren? Sich zu fragen: Wer möchte ich eigentlich sein? Wie war mein letztes Jahr? Was tat mir gut, was nicht? Was möchte ich verändern?

Natürlich ist es sinnvoll, sich solche Fragen nicht nur einmal im Jahr zu stellen. Aber ich mache das inzwischen seit 2018 so, dass ich mir zum 31. Dezember ein paar Reflexionsfragen stelle – gar nicht so sehr mit dem Fokus auf Veränderung, sondern eher darauf, was eigentlich alles passiert ist. Mir tut das ziemlich gut.

Dieses Jahr habe ich mir zum ersten Mal sogar einen kleinen Brief geschrieben, den ich nächstes Jahr lesen werde. Digital zwar, aber trotzdem. Und genau daraus ist die Idee für diese Podcastfolge entstanden.

Was Menschen sich wirklich wünschen: Ergebnisse der Forsa-Umfrage

Ich bin auf eine aktuelle Forsa-Umfrage zu Neujahrsvorsätzen gestoßen. Und die fand ich ziemlich interessant. Der Großteil der Menschen wünscht sich mehr Zeit für Familie, Freund*innen und für sich selbst, weniger Stress und mehr Sport.

Mein erster Gedanke war: Okay, Lösungsvorschlag – Kapitalismus abschaffen. Dann wären viele Probleme vielleicht gelöst. Aber so einfach ist es natürlich nicht.

Ich selbst habe übrigens keine klassischen Neujahrsvorsätze. Ich mache gerade Dry January, wie jedes Jahr. Das fühlt sich für mich eher wie eine Art Entgiftungsmaßnahme an als wie ein Vorsatz.

Und trotzdem habe ich mich gefragt: Woher kommen Neujahrsvorsätze eigentlich? Warum machen wir das? Warum ausgerechnet am 1. Januar – und wie sinnvoll ist das alles überhaupt?

Woher Neujahrsvorsätze kommen: Ein historischer Blick

Ich habe mich ein bisschen eingelesen und war überrascht, wie alt Neujahrsvorsätze tatsächlich sind. Schon im alten Babylon, vor rund 4000 Jahren, gab es ein Neujahrsfest. Menschen machten Versprechen – allerdings nicht sich selbst, sondern den Göttern. Und das Ganze fand nicht im Januar statt, sondern im März, zur Aussaat. Also sehr stark an Natur und religiöse Rituale gebunden.

Dass wir heute im Januar Neujahr feiern, geht auf die Römer zurück. Sie verlagerten den Jahresbeginn wegen des Gottes Janus. Janus hat zwei Gesichter: eines blickt zurück, eines nach vorn. Vielleicht kommt daher auch dieses Ritual des Rück- und Vorausblickens.

Aber auch damals ging es noch nicht um Fitness oder Selbstoptimierung. Eher um Opfer, um Gelöbnisse für besseres Verhalten.

Mit der Aufklärung und der Säkularisierung veränderten sich Vorsätze zunehmend. Besonders in der Biedermeierzeit wurden sie privater, bürgerlicher, protestantischer. Es ging um Tugenden wie Mäßigkeit, Fleiß, weniger Trinken und um Familie.

Der Begriff „New Year’s Resolution“ taucht vermutlich erstmals 1813 in einer Bostoner Zeitung auf. Sinngemäß hieß es dort: Viele sündigen im Dezember absichtlich, um im Januar neu zu starten. Auch das fand ich ziemlich aufschlussreich.

Warum Neujahr sich wie ein psychologischer Neustart anfühlt

Warum aber ausgerechnet Neujahr? Theoretisch könnten wir ja jeden Montag oder jeden beliebigen Tag neu anfangen.

Hier kommt der sogenannte Fresh-Start-Effekt ins Spiel. Die Verhaltensökonomin Katy Milkman beschreibt, dass der 1. Januar psychologisch wie ein Neustartknopf funktioniert.

„People are naturally gravitating towards these moments that feel like fresh starts in order to make change.“

Unser Gehirn liebt solche Schwellenmomente. Sie geben uns das Gefühl: Jetzt beginnt etwas Neues. Jetzt kann ich mich committen. Jetzt entwerfe ich ein neues Ich.

Ich kenne das auch aus meinem eigenen Leben. An meinem letzten Geburtstag – auch so ein Schwellenmoment – habe ich aufgehört zu rauchen. Ich habe vorher nie viel geraucht, aber immer mal wieder. Und dann habe ich gesagt: Jetzt reicht’s. Und bisher funktioniert das erstaunlich gut.

Vorsätze setzen übrigens Dopamin frei. Schon die Vorstellung eines besseren, zukünftigen Ichs fühlt sich gut an. Gleichzeitig erzeugen Vorsätze aber auch Druck. Die Angst zu scheitern kann lähmend sein.

Warum so viele Vorsätze scheitern

Es gibt eine Langzeitstudie der Universität Scranton in den USA. Laut ihr halten nur etwa 8 Prozent der Menschen ihre Neujahrsvorsätze über ein ganzes Jahr durch. Rund 80 Prozent brechen sie bis Februar ab.

Es gibt sogar einen bestimmten Tag, an dem besonders viele aufgeben: den sogenannten Quitters Day. Der ist am 9. Januar. Dann holt uns der Alltag ein. Arbeit, Familie, Verpflichtungen. Und neue Gewohnheiten brauchen im Schnitt 66 Tage, um sich zu verankern. Zu diesem Zeitpunkt sehen wir meist noch keine Ergebnisse – das macht es so schwer.

Also: Brauchen wir überhaupt Vorsätze, um uns zu verändern?

Philosophische Zweifel: Kann man sich selbst etwas versprechen?

Philosophisch betrachtet ist ein Vorsatz erst einmal ein Versprechen an ein zukünftiges Selbst, das es noch gar nicht gibt. Daraus ergeben sich spannende Fragen: Bleibe ich derselbe Mensch? Kann ich mir etwas für eine Zukunft versprechen, deren Kontext ich noch gar nicht kenne?

Nietzsche betont, dass Versprechen immer riskant sind. Niemand kann für immer etwas garantieren. Wir haben keine vollständige Kontrolle über die Zukunft – und genau darin liegt die Überforderung.

Existenzialisten wie Sartre würden fragen, ob Neujahrsvorsätze nicht auch eine Form der Selbsttäuschung sind. Einerseits können sie Ausdruck radikaler Freiheit sein: Ich entwerfe mich neu, übernehme Verantwortung. Andererseits verschieben sie Veränderung symbolisch auf einen magischen Zeitpunkt, um im Hier und Jetzt nicht handeln zu müssen.

Byung-Chul Han habe ich hier schon öfter erwähnt. Er kritisiert, dass wir in der Leistungsgesellschaft unsere eigenen Wünsche kaum noch von Leistungsnormen trennen können. Dass wir permanent unter Optimierungsdruck stehen – oft, ohne es bewusst zu merken.

Ich habe mich gefragt, ob Vorsätze deshalb immer nach Hustle klingen müssen. Oder ob es auch andere Arten gibt, sich etwas vorzunehmen?!

Feministische Perspektiven auf Selbstfürsorge

In der feministischen Theorie gibt es dazu spannende Gegenentwürfe. Die Kulturwissenschaftlerin Sara Ahmed etwa sagt: Dieses „Sei glücklich, arbeite an dir“ ist oft gar kein freier Wunsch, sondern eine moralische Pflicht. Wer da nicht mitmacht, wer nicht strahlt oder sich optimiert, gilt schnell als Spielverderberin – als sogenannte Feminist Killjoy.

Ahmed schlägt deshalb so etwas wie eine Killjoy Solidarity vor: bewusst nicht mitzuspielen. Sich gemeinsam gegen diese Optimierungslogik zu stellen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, weil wir ja alle in diesen Strukturen leben.

Auch in der Care-Ethik wird Arbeit an sich selbst anders gedacht – relationaler. Wir sind keine isolierten Individuen, sondern Knoten in Beziehungen. Die Politikwissenschaftlerin Joan Tronto bringt das sehr klar auf den Punkt. Sie spricht darüber, dass Menschen ständig geben und nehmen, oft ohne es überhaupt wahrzunehmen – und dass Care vor allem dann sichtbar wird, wenn man privilegiert genug ist, sie vermeiden zu können.

Und daraus folgt für sie etwas Politisches: Care nicht nur als private Selbstsorge zu sehen, sondern als Grundlage von Beziehungen, von Pflege – und letztlich auch von Demokratie.

Persönlicher Ausblick: Wünsche statt Vorsatz

Ich nehme mir für dieses Jahr keine klassischen Neujahrsvorsätze vor. Aber es gibt Dinge, auf die ich Lust habe. Ich möchte mich wieder ehrenamtlich engagieren – in einer Grundschule vorlesen, in einem Pflegeheim, vielleicht in einer Küche für Bedürftige.

Ich hätte auch Lust, wieder Theater zu spielen. Etwas Spielerisches zu tun, jenseits von Performance-Logik.

Mich interessiert, wie es euch geht: Habt ihr Neujahrsvorsätze? Oder seid ihr eher Feminist Killjoys? Schreibt mir gern. Per Mail, auf Instagram oder wo auch immer ihr mögt.

Kommt gut ins neue Jahr. Wir hören uns ganz bald wieder.

4. Januar 2026

Alles wird anders – und jetzt?

von Marilena 23. Dezember 2025

Es ist die letzte Folge des Jahres, und ich spüre diese diffuse Erschöpfung, die viele von uns gerade kennen. In dieser Episode reflektiere ich über Wandel als kollektive Erfahrung: die Beschleunigung unseres Alltags, die Unsicherheit in Politik, Klima, Wirtschaft und Technologie, und das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren alles verdichtet hat. 

Ich spreche darüber, wie wir mit Wandel [besser] umgehen können – Gleichzeitig hinterfrage ich die Idee, dass wir einfach nur resilienter werden müssen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Soziologe Zygmunt Bauman und seine Idee der „flüssigen Moderne“. Und die Frage, ob Wandel nicht nur etwas ist, das wir “aushalten” müssen – sondern etwas, das wir auch gemeinsam gestalten können.

Shownotes

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► sinneswandel.art

► Zygmunt Bauman (2000): Flüchtige Moderne, Suhrkamp
► Deutsche Psychologen Akademie: Die Kunst der Resilienz – Wege zur inneren Widerstandsfähigkeit
► HCU (2024): Community resilience: transformative capacity as driver for social cohesion and sustainable development
► Transition Initiativen: Was ist eine Transition Town Initiative?
► Frontiers in Ecology and the Environment (2003): Response Diversity, Ecosystem Change, and Resilience
► Bertelsmann (2013): Gestaltungsräume im Zeitalter der Komplexität


Jahresende als Zäsur: Zwischen Rückblick und Erschöpfung

Hi und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Ich bin Marilena und ich freue mich, dass ihr heute dabei seid.

Wow, ich kann irgendwie noch gar nicht so richtig fassen, dass das jetzt tatsächlich die allerletzte Folge des Jahres sein wird und dass dieses Jahr überhaupt vorbei ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber die letzten Monate sind irgendwie einfach total schnell gerannt und entsprechend bin ich ganz schön erschöpft. Und das liegt nicht nur daran, dass ich die letzten Wochen krank im Bett lag, wie man vielleicht noch an meiner Nase hören kann oder an meiner Stimme, eher gesagt. Ich klinge noch so ein bisschen, als würde ich mir die Nase zuhalten, aber keine Sorge, ich bin auf jeden Fall wieder gesund. Sonst würde ich nicht hier vor dem Mikro sitzen.

Aber ja, es war ein ganz schön anstrengendes Jahr. Einige von euch wissen, dass ich gerade noch mal in einer Ausbildungssituation bin. Ich mache ein Volontariat, und auch das hat natürlich unfassbar viele Veränderungen mit sich gebracht. Und mit Veränderungen umzugehen, ist manchmal gar nicht so einfach. Auch wenn man sie selbst wählt, weiß man ja manchmal trotzdem nicht, was da alles auf einen zukommt. Das spüre ich jetzt so am Ende des Jahres. Ich bin wahnsinnig froh, an dem Punkt zu sein, wo ich jetzt bin, weil sich vieles in diesem Jahr auch zum Positiven gewandelt hat.

Ein Freund von mir meinte letztens in einer kleinen Geburtstagsrede: something feels off. Und nicht nur so inside himself, sondern natürlich auch in der Welt um uns herum ist so viel Wandel, so viel Veränderung, so viel, was passiert an Weltgeschehen, was einen manchmal – mich zumindest – mitnimmt und nach innen transportiert. Und das macht irgendwie was mit einem.


Erschöpfung: Ein Gefühl mit gesellschaftlicher Dimension

Ich habe mich gefragt, ob diese Erschöpfung, die viele von uns wahrnehmen, vielleicht wirklich nur so ein subjektives Gefühl ist oder ob das nicht auch mit vielen gesellschaftlichen Umbrüchen zusammenhängen könnte, die wir gerade erleben.

Bevor ich da aber einsteige, möchte ich auch hier im Podcast ein bisschen was verändern. Keine Sorge, es wird nicht alles anders, so wie der Titel vielleicht mutmaßen lässt, sondern ich möchte den Podcast wieder ein bisschen interaktiver gestalten. Ich würde mich total freuen, wenn um Sinneswandel herum wieder mehr so eine Art Community-Gefühl wächst.

Deswegen habe ich eine kleine Umfrage erstellt und in den Shownotes verlinkt. Die dauert wirklich nicht lange. Es würde mich sehr freuen und mir tatsächlich sehr helfen, wenn ihr Lust habt, die auszufüllen. Dann schauen wir mal, wo die Reise im nächsten Jahr hingeht.


Beschleunigte Gegenwart: Warum sich Wandel heute anders anfühlt

Zurück zur Frage: Ist das eigentlich nur ein subjektives Gefühl, dass die Welt sich immer schneller dreht, sich immer schneller verändert und ich mich ständig anpassen muss? Ich habe mal nachgeschaut, und surprise surprise: Diverse Studien zeigen, dass viele Menschen unsere Gegenwart als beschleunigt, verdichtet und unsicher erleben. Also dass es eben nicht nur ein subjektives „Alles-ist-zu-viel“-Gefühl ist, sondern ziemlich verbreitet.

Natürlich lässt sich das schwer messen, ob die Welt sich metaphorisch gesprochen schneller dreht, weil Wandel und Veränderung wahnsinnig viele Dimensionen haben: technologisch, politisch, klimatisch, ökonomisch.

Aber man kann schon sagen, dass sich in mehreren Bereichen die Geschwindigkeit und Dichte von Veränderungen in den letzten 25 Jahren deutlich erhöht hat. Wenn man allein auf die Technik schaut: In den 2000ern hatten wir MP3-Player, ziemlich klobige Handys, wahrscheinlich noch nicht mal mit Farbe. Es gab kein Instagram, kein TikTok und erst recht kein ChatGPT. Allein auf dieser technologischen Ebene hat sich die Geschwindigkeit von Wandel massiv erhöht.


Mit Veränderung umgehen: Psychologische Perspektiven auf Resilienz

Ich habe mir angeschaut, was die Psychologie dazu sagt, wie Menschen mit Veränderungen umgehen können, beziehungsweise was Menschen auszeichnet, die gut mit Veränderungen klarkommen. Dabei bin ich auf fünf Eigenschaften gestoßen.

Erstens: psychische Flexibilität und Offenheit. Also die Fähigkeit, Strategien zu wechseln, wenn etwas nicht mehr passt oder sich nicht mehr richtig anfühlt.

Zweitens: Akzeptanz statt Vermeidung. Gefühle nicht wegzudrücken, sondern aushalten zu können.

Drittens – und das finde ich fast am schwierigsten: Selbstmitgefühl statt Selbstkritik. Wenn man merkt, dass etwas nicht funktioniert, nicht sofort bei sich selbst anzuklagen, sondern erst mal freundlich mit sich zu bleiben.

Viertens: realistischer Optimismus. Nicht naiv, sondern lösungsorientiert.

Und fünftens: soziale Einbettung. Das finde ich besonders spannend, weil ich gemerkt habe, dass mir persönlich Menschen um mich herum am meisten helfen, mit Veränderungen umzugehen.


Resilienz als individuelle Aufgabe – und ihre Grenzen

Wenn wir über Veränderungen und Unsicherheit sprechen, landet der Diskurs sehr schnell bei individueller Anpassung: Wie kann ich resilienter werden? Wie kann ich mich besser organisieren? Wie kann ich meine Emotionen regulieren?

Das ist nicht falsch. Innere Ressourcen sind wichtig. Aber irgendwann kam mir die Frage: Welche Rolle spielt eigentlich die Welt und die Gesellschaft, in der wir leben? Was heißt es, gut mit Veränderung umzugehen, wenn sie nicht nur selbst gewählt ist, sondern strukturell produziert wird?


Zygmunt Bauman und seine Diagnose der „flüssigen Moderne“

Einer, der sich genau mit dieser Frage beschäftigt hat, ist der polnisch-britische Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman. Ich habe im Studium ein Essay von ihm gelesen, das mich nachhaltig beeindruckt hat.

Bauman wird 1925 als polnischer Jude geboren, flieht vor den Nazis in die Sowjetunion, kämpft im Krieg, emigriert später nach Israel und dann nach Großbritannien. Sein Leben ist geprägt von Brüchen, Verlust und Neuanfängen – was ihn vermutlich besonders sensibel für Unsicherheit gemacht hat.

Sein bekanntestes Werk ist Liquid Modernity, erschienen vor etwa 25 Jahren – und trotzdem erstaunlich aktuell.


Veränderung und der Verlust kollektiver Sicherheiten

Baumans zentrale These: Unsere Gesellschaft hat ihre festen Formen verloren. Dinge, die früher stabil waren – Arbeit, Beziehungen, Lebenswege – sind heute flexibler, aber auch unsicherer. Institutionen lösen sich auf, klare Lebensläufe verschwinden, Zugehörigkeiten werden brüchig.

Das bringt mehr Freiheit. Gleichzeitig verschiebt sich die Verantwortung für das Zurechtkommen fast komplett auf das Individuum. Wir sollen flexibel, resilient und leistungsfähig sein. Wenn Veränderung schwerfällt, gilt das schnell als persönliches Versagen. Strukturelle Ursachen wie Prekarität oder Ungleichheit geraten aus dem Blick.

Auch kollektive Sicherheiten verlieren an Bedeutung, etwa Gewerkschaften. Zugehörigkeit entsteht weniger über Gemeinschaft, sondern über Konsum, Marken und Lebensstile. Wer mithalten kann, gehört dazu – wer nicht, fällt raus.


Transformative Resilienz: Wandel nicht nur bewältigen, sondern gestalten

Bauman ist kein Kulturpessimist. Er sieht in der flüchtigen Moderne auch Potenzial: für Kreativität, Innovation und neue Formen von Freiheit. Aber das hängt nicht nur von individuellen Fähigkeiten ab, sondern vor allem von den Strukturen, in denen wir leben.

Auf Unsicherheit kann man unterschiedlich reagieren: sich abhärten, ins Private zurückziehen – oder eine andere Frage stellen: Was wäre, wenn nicht nur Einzelne belastbarer werden müssten, sondern auch Gemeinschaften fair und fürsorglich mit Wandel umgehen?

Hier setzt das an, was oft transformative Resilienz genannt wird: Gesellschaften sollen nicht nur Schocks aushalten, sondern ungerechte Strukturen aktiv verändern.


Gemeinschaftliche Antworten auf Unsicherheit: Transition Towns und lokale Netzwerke

Transformative Gesellschaften erwarten nicht einfach Anpassung, sondern schaffen Bedingungen, die Wandel abfedern: soziale Sicherung, Teilhabe, Zeit, Räume und Unterstützung.

Spannend finde ich, dass Resilienzforschung immer wieder zeigt: Wandelfähige Gesellschaften setzen auf Vielfalt, Selbstorganisation und starke lokale Netzwerke.

Ein Beispiel sind die Transition Towns. Ursprünglich aus Großbritannien, inzwischen auch in vielen deutschen Städten. Nachbar*innen schließen sich zusammen, es entstehen gemeinschaftliche Gärten, lokale Energieprojekte, Skillsharing. Ziel ist es, Abhängigkeiten von globalen Märkten und Krisen zu reduzieren.


Response Diversity und Präfiguration: Gesellschaft im Kleinen erproben

In der Resilienzforschung gibt es dafür den Begriff Response Diversity: Je vielfältiger die Antworten einer Gemeinschaft, desto besser kann sie mit unerwarteten Veränderungen umgehen.

Solche Communities sind keine perfekten Utopien, sondern laufende Experimente. In der Politikwissenschaft nennt man das Präfiguration: im Kleinen schon heute das leben, was man sich gesellschaftlich für morgen wünscht.

Darüber spreche ich ausführlicher in einer nächsten Laut-gedacht-Folge.


Sinneswandel Umfrage

Zum Schluss möchte ich mich wirklich von Herzen bedanken. Es bedeutet mir unglaublich viel, dass ihr diesen Podcast hört und dass es Menschen gibt, die mich seit Jahren supporten – über Steady oder PayPal.

Das hilft mir nicht nur finanziell, sondern macht diese Arbeit überhaupt möglich. Ich hatte Anfang des Jahres eine große kreative Krise, aber gerade macht mir Sinneswandel wieder sehr viel Spaß. Ich habe große Lust, diesen Podcast wieder stärker als etwas Kollektives zu denken.

Wenn ihr Lust habt, füllt gerne die Umfrage aus, die in den Shownotes verlinkt ist. Und falls ihr mir ein kleines Weihnachtsgeschenk machen wollt, könnt ihr auf Steady eine Mitgliedschaft abschließen.

Ich wünsche euch einen schönen Jahresausklang. Wir hören uns im nächsten Jahr.

 

23. Dezember 2025

Wozu das alles? Über kreative Krisen und Sinnfragen

von Marilena 2. Juni 2025

In dieser Folge reflektiere ich über meine aktuelle kreative Krise und frage, wie Kreativität und Sinn zusammenhängen. Zwischen Zweifel und dem Wunsch nach echtem Ausdruck suche ich nach einem freieren Umgang mit Kreativität – und danach, was unsere Gesellschaft und das System mit dieser Suche zu tun haben.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Rick Rubin: kreativ. Die Kunst zu sein, Droemer Knaur*, 2023
► SWR kultur: Kreativ werden Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid, 2022
► Andreas Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität, Suhrkamp, 2012
► Theodor W. Adorno, Max Horkheimer: Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug, Hrsg. von Ralf Kellermann, Reclam
► Institut für Ludologie

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art



Transkript:

Hi und herzlich willkommen bei Sinneswandel! Ich bin Marilena und ich freue mich, dass ihr heute dabei seid.

Diese Folge hat mich ehrlich gesagt einiges gekostet. Und ich meine damit vor allem Überwindung. Gefühlte hundert Anläufe hat es gebraucht, bis ich überhaupt wusste, wie ich beginne. Weil ich über etwas sprechen möchte, das mir fehlt.

Über Kreativität. Und über das Gefühl, wenn sie einem plötzlich abhanden kommt.

Ich habe in den letzten Monaten viel gezweifelt. Nicht nur an meiner Arbeit, sondern vor allem an mir selbst. Ich funktioniere, produziere, liefere – aber in letzter Zeit oft ohne inneren Antrieb. Als hätte sich das Warum langsam aus dem Wie verflüchtigt.

Und ehrlich gesagt war das war mal anders. Als ich Sinneswandel vor bald acht Jahren gestartet habe, war da vor allem Neugier. Ich bin losgelaufen mit einer Idee im Kopf. Habe Gespräche geführt, gefragt, geschrieben, gestaltet. Ohne großen Plan und festes Ziel.

Aber mit der Zeit habe ich mich immer mehr aus dem Projekt herausgezogen. Nicht mal bewusst – aber spürbar. Ich habe weniger persönliche Gedanken geteilt. Mich nicht mehr gefragt: Was bewegt mich eigentlich gerade wirklich? Sondern eher: Was ist relevant? Welche Themen performen? Und genau das hat die Verbindung zu meinem eigenen Projekt leise gekappt. Es wurde mehr Pflicht als Freude. Mehr Aufgabe als Ausdruck.

Ich glaube, wenn man sich selbst aus etwas herausnimmt, verliert man auch ein Stück Resonanz – mit dem, was man tut, aber auch mit sich selbst. Denn Kreativität ist für mich mehr als ein Werkzeug – sie ist eine Art, mich mit der Welt zu verbinden. Wenn dieser Zugang blockiert ist, dann fehlt nicht nur der Ausdruck. Dann fehlt etwas Grundlegendes.

Wie hängen Kreativität und Sinn zusammen? 

Der Philosoph Wilhelm Schmid sagt: Kreativität schafft Sinn. Weil wir durch das Kreativsein neue Verbindungen schaffen. Indem wir Dinge, die bisher getrennt waren, in eine neue Beziehung setzen. Wenn wir kreativ sind, bringen wir Ordnung ins Chaos – oder stellen gewohnte Ordnungen in Frage. Wir schaffen etwas, das vorher nicht da war. Und wir tun das, weil wir uns selbst und die Welt besser verstehen wollen. 

Für Wilhelm Schmidt ist Kreativität eine Lebenskunst. Eine Art, mit dem Leben umzugehen, es tiefer zu durchdringen. Kreativität stillt einen inneren Hunger – nach Bedeutung, nach Ausdruck, nach Verbindung. Und wenn uns das gelingt, dann erleben wir manchmal diesen besonderen Zustand, den der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi „Flow“ genannt hat: Wir gehen ganz in einer Tätigkeit auf, verlieren das Zeitgefühl, vergessen alles um uns herum. Und genau da entsteht oft Sinn.

Aber was passiert, wenn dieser Zugang plötzlich nicht mehr da ist? Wenn der kreative Strom versickert – oder blockiert ist? 

Ich habe gemerkt, wie sehr mich dieser subtile, aber ständige Druck hemmt, etwas liefern zu müssen. Sichtbar zu bleiben. Relevanz zu beweisen. Dazu kommt der ständige Vergleich. Ich scrolle mich durch Social Media und denke: Das gibt es alles schon. Nur in krasser. Was soll ich dem noch hinzuzufügen? Und je mehr ich mich vergleiche, desto stiller wird mein eigener Impuls. Die Lust, überhaupt noch anzufangen, weicht einer zähen Schwere. Statt innerem Drang nur noch Zweifel. Und das frustriert nicht nur – es verunsichert tief. Weil es an meinem Selbstbild rüttelt, das lange Halt gegeben hat: Ich bin eine, die schreibt. Die gestaltet. Die etwas schafft. Und wenn das plötzlich nicht mehr geht, frage ich mich: Wer bin ich dann?

Viele Kreative kennen diesen Zustand – Schreibblockaden sind nur die offensichtliche Form davon. Aber dahinter steckt oft etwas Tieferes: das Gefühl, den Zugang zu sich selbst verloren zu haben. Denn Kreativität ist für viele nicht nur Ausdruck. Sie ist Selbstvergewisserung. Eine Art, sich im Tun zu spüren, sich zu verorten. Und wenn das nicht mehr funktioniert, wenn der Schaffensprozess stockt oder sinnlos erscheint, dann gerät mehr ins Wanken als nur das nächste Projekt.

Was ist Kreativität überhaupt? 

Oft wird Kreativität mit Kunst verwechselt. Mit großen Ideen, genialen Werken, außergewöhnlichen Menschen. Dabei sind wir alle kreativ. Täglich. Wenn wir Probleme lösen, improvisieren, neue Wege finden, etwas ausprobieren.

Kreativität bedeutet, etwas anders zu machen – nicht um des Neuen willen, sondern um etwas Ausdruck zu verleihen. Und zwar durch die ganz eigene Sicht. Und genau darin entsteht Verbindung: Weil wir aus unserem Inneren etwas nach außen bringen – und sichtbar machen, was sonst vielleicht ungesagt geblieben wäre. Im kreativen Ausdruck zeigt sich, was uns bewegt. Und wenn andere sich darin wiederfinden, entsteht Resonanz. Nicht, weil es perfekt ist – sondern weil es ehrlich ist.

Kreativität ist nicht das große Werk. Es ist oft das Kleine. Das Gewöhnliche neu gesehen.

Rick Rubin: kreativ. Die Kunst zu sein 

Ich habe kürzlich ein Buch gelesen, das schon länger in meinem Regal stand: kreativ. Die Kunst zu sein von Rick Rubin, einem US-amerikanischen Musikproduzenten.

Rubin beschreibt Kreativität nicht als Talent oder Technik, sondern als einen Zustand des Seins. Kreativ ist nicht, wer besonders viel produziert – sondern wer sich selbst offen begegnet. Wer bereit ist, nicht zu wissen. Nicht zu kontrollieren. Wer sich dem Prozess anvertraut, statt nur auf das Ergebnis zu schielen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine seiner Thesen: Rubin spricht viel über das Spiel. Über Neugier. Über den Mut, Dinge auszuprobieren, ohne zu wissen, wohin sie führen. Kreativität beginnt für ihn dort, wo wir statt zu performen beginnen, zu entdecken. Und das gelingt nur, wenn wir uns selbst nicht zu ernst nehmen – aber ernst genug, um hinzuhören, wenn etwas in uns leise anklopft.

Kreativität als Spielraum: Improvisation & Ludologie 

Ich selbst spiele gelegentlich Improtheater – leider zu selten. Aber wenn ich es schaffe, bin immer wieder erstaunt, wie viel Kreativität in mir steckt, wenn ich einfach “Ja” sage. Zu einer Idee. Einer Situation. Einer absurden Wendung. 

Das Spiel schafft einen Freiraum. Einen Raum des Als-ob. In dem nichts festgelegt ist, aber alles möglich. 

Johan Huizinga, ein niederländischer Kulturhistoriker, sah im Spiel sogar die Grundlage aller Kunst und Kultur. Weil das Spiel ein Raum ist, in dem wir Regeln testen, neue Bedeutungen schaffen und bestehende Ordnungen in Frage stellen.

Auch Kreativität braucht diese Räume. In denen nicht alles sofort bewertet wird.  Die Zweckfreiheit. Und den Mut, zu scheitern.

Kreativität und Kapitalismus: Adorno, Reckwitz & Co. 

Aber genau diese Freiräume werden heute kleiner.  Immer häufiger steht nicht mehr der Prozess im Mittelpunkt, sondern das Ergebnis. Nicht mehr die Suche, sondern die Sichtbarkeit. Kreativität wird messbar: in Reichweite, Klickzahlen, Verkäufen. Und so verschiebt sich der Fokus – von der inneren Bewegung hin zur äußeren Wirkung.

Der Philosoph Theodor W. Adorno hat diese Entwicklung schon analysiert – lange bevor es TikTok oder YouTube gab. In den 1940ern in seiner Kritik an der „Kulturindustrie“ kritisiert er, wie Kunst und Kultur zur massentauglichen Ware wird – berechenbar, glatt, konsumierbar. Was verstört, was sich entzieht, so Adorno, verliert an Wert. Dabei liegt gerade in der Irritation oft die eigentliche Kraft von Kunst: Sie soll nicht nur gefallen, sondern aufrütteln. Neue Perspektiven zu öffnen.

Heute ist oft von den „Creative Industries“ die Rede. Und das klingt erst einmal gut. Kreativität gilt als Zukunftskompetenz. Als Lösung für alles – von Produktdesign bis Politik. Nicht mehr nur Künstler*innen sollen kreativ sein, sondern auch Start-ups, Unternehmen, ganze Städte. Kreativität wird zur Ressource – für Innovation, für Wachstum, für gesellschaftlichen Fortschritt.

Aber genau da beginnt das Problem. Denn wenn Kreativität zur Leistung wird, zur Erwartung, zur Pflicht – verliert sie ihre Offenheit. Der Soziologe Andreas Reckwitz beschreibt das als „ästhetischen Kapitalismus“: eine Gesellschaft, in der nicht nur Produkte, sondern auch Lebensstile, Erfahrungen und Identitäten ständig gestaltet und bewertet werden. Alles soll besonders sein. Einzigartig. Authentisch. Wer das nicht liefert, fällt durchs Raster. Und so entsteht ein Widerspruch: Kreativität wird gefeiert – und gleichzeitig normiert.

Wir sehen das besonders deutlich auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Spotify. Sie machen es möglich, kreativ zu sein – und gleichzeitig schwer, es zu bleiben. Denn was sichtbar wird, entscheidet nicht mehr nur die Qualität oder Tiefe, sondern der Algorithmus. Und viele Kreative verlieren dabei irgendwann das Gefühl für den eigenen Impuls: Mache ich das, weil es mir entspricht – oder weil ich weiß, dass es gut ankommen wird?

Systemische Gedanken: Was braucht Kreativität? 

Vielleicht liegt das Problem also nicht nur in uns. Sondern im System. Kreativität braucht Zeit. Raum. Sicherheit. Und sie braucht Menschen, die sich nicht ständig beweisen müssen.

Wenn wirtschaftlicher Druck existenzielle Ängste auslöst, bleibt kaum Spielraum für kreatives Denken. Rick Rubin schreibt: Der kreative Zustand entsteht in Freiheit – nicht im Überlebensmodus.

Was also müsste sich gesellschaftlich ändern? Vielleicht bräuchte es mehr Anerkennung für kreative Prozesse, die nicht sofort „verwertbar“ sind. Eine Wertschätzung von Prozessen, nicht nur von Ergebnissen. Und eine Bildung, die Neugier belohnt – nicht Anpassung. Vielleicht sogar: ein Recht auf Langeweile.

Fazit: Was mir hilft (und vielleicht auch euch) 

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Folge überhaupt machen soll. Ob das reicht, was ich zu sagen habe. Ob es originell genug ist. Ob es irgendwen interessiert.

Aber dann habe ich mich erinnert, warum ich Sinneswandel eigentlich angefangen habe: Weil ich gerne laut denke. Weil das Fragen manchmal mehr verbindet als das Wissen.

Was bedeutet das alles jetzt für den Podcast, fragt ihr euch vielleicht?! 

Ich möchte mir wieder mehr erlauben, einfach loszugehen – auch wenn noch nicht alles fertig durchdacht ist. Aber genau das möchte ich mir zugestehen: dass dieser Podcast ein Ort bleibt, an dem ich suchen darf. Und zweifeln. Und spielen.

Mich interessiert sehr, wie es euch damit geht: Was hilft euch, kreativ zu bleiben – oder wieder ins Tun zu kommen? Schreibt mir gern, wenn ihr mögt. Ich freue mich, von euch zu hören.

Outro

Aber erstmal vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann teilt sie gerne mit euren Freunden. Und falls ihr meine Arbeit finanziell unterstützen wollt, könnt ihr das ganz einfach via Steady oder, indem ihr uns einen Betrag eurer Wahl an Paypal.me/Sinneswandelpodcast schickt. Alle weiteren Infos findet ihr in den Shownotes. Vielen Dank und bis bald im Sinneswandel Podcast.

2. Juni 2025

Beate Absalon: Ist Sex überbewertet?

von Marilena 15. Juli 2024

Warum gilt ein erfülltes Sexleben als erstrebenswert? Was macht guten Sex aus? Und was, wenn ich gar keinen Bock auf Sex habe, oder keinen Sex haben kann? Ist das auch okay? In dieser Folge spricht Marilena mit Kulturwissenschaftlerin Beate Absalon. In Ihrem Buch “Not giving a Fuck” erkundet sie, weshalb Sex in unserer Gesellschaft einen so hohen Stellenwert hat und was der Druck, ständig performen zu müssen, mit uns machen kann. Dabei geht es ihr nicht um Moralisierung oder sogar ein Sexverbot, sondern eher um einen spielerischen Umgang mit Sex, der vieles sein kann, aber nichts muss.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Beate Absalon auf Instagram
► Not giving a Fuck, Kremayr & Scheriau 04/24

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast! Ich bin Marilena Berends und freue mich sehr, dass ihr heute dabei seid.

Es gilt mithin als schönste Nebensache der Welt: Sex soll nicht nur Spaß machen, sondern auch gesund sein und uns glücklich machen. Ein erfülltes Sexleben gilt als erstrebenswert. Aber warum eigentlich? Reicht es nicht, wenn wir einfach genießen? Wieso ist es wichtig, guten Sex zu haben? Was macht guten Sex überhaupt aus? Und was, wenn ich gar keinen Bock auf Sex habe? Oder keinen Sex haben kann? Ist das auch okay?

Um das herauszufinden, habe ich mich mit Beate Absalon in Berlin getroffen. Sie ist Kulturwissenschaftlerin für zeitgenössische Sexualkultur und hat vor kurzem ein Buch geschrieben: “Not giving a Fuck”, heißt es. Darin erkundet sie, weshalb Sex in unserer Gesellschaft eigentlich einen so hohen Stellenwert hat und was der Druck, ständig performen zu müssen, mit uns machen kann. Beate fragt sich auch, was wir von Menschen lernen können, die asexuell sind oder keinen Sex haben können. Dabei geht es ihr nicht um Moralisierung oder sogar ein Sexverbot, sondern eher um einen spielerischen Umgang mit Sex, der vieles sein kann, aber nichts muss. Ich selbst habe beim Lesen und im Gespräch auf jeden Fall sehr viel mitgenommen. Und ich hoffe, euch wird es auch so gehen.

Bevor wir beginnen, noch ein Hinweis: Wenn euch das Gespräch gefällt, schaut am besten in die Shownotes. Unter allen, die Sinneswandel via Steady unterstützen, verlose ich nämlich ein Exemplar von Beates Buch „Not giving a Fuck“. Und jetzt wünsche ich euch viel Freude beim Zuhören!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge mit Beate gefallen hat, teilt sie gerne mit euren Freundinnen und Freunden. Und falls ihr meine Arbeit finanziell supporten wollt, könnt ihr das ganz einfach via Steady oder, indem ihr mir einen Betrag eurer Wahl an Paypal.me/Sinneswandelpodcast schickt. Unter allen Unterstützer*innen verlose ich dieses Mal ein Exemplar vom Not giving a Fuck. Also schaut am besten in den Shownotes vorbei, da findet ihr alle Infos und Links zur Folge. Das war’s von mir! Bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

15. Juli 2024

Theresia Enzensberger: Ist Schlaf[losigkeit] politisch?

von Marilena 11. Juni 2024

Statistiken zufolge schlafen rund 80 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland schlecht – Tendenz steigend. Die Autorin Theresia Enzensberger ist eine von ihnen und hat unter anderem deshalb ihr neues Buch dem Schlaf gewidmet. Darin geht es allerdings nicht um Einschlaftipps. Vielmehr beleuchtet sie die verschiedenen Facetten des Schlafs, die bis in die soziale und politische Sphäre eindringen. Weshalb Schlaf[losigkeit] politisch ist, darüber spricht Marilena Berends mit Theresia Enzensberger im Podcast.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Theresia auf Instagram und X
► Theresia Enzensberger: Schlafen; erschienen bei Hanser, 05/24.

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in dieser Episode zu begrüßen.

Es ist kurz nach drei. Nachts – oder vielmehr morgens. Ich liege im Bett, meine Augen geschlossen. In der Hoffnung, dass mich der Schlaf doch noch überrascht und mit sich nimmt. Nach einer Weile richte ich mich auf, schiebe meine Schlafmaske vom Gesicht und versuche dem Drang, erneut auf die Uhr zu schauen, zu widerstehen. Stattdessen greife ich zum Buch auf meinem Nachttisch. “Schlafen”, steht darauf in Großbuchstaben. Auf dem Cover die Zeichnung einer Frau, die von weißen Laken bedeckt im Bett liegt. Ob sie schläft, lässt sich nicht genau sagen. Falls sie es tut, beneide ich sie. Denn es ist nicht die erste und einzige Nacht, in der ich wach liege. Schlaflose Stunden begleiten mich schon, seit ich denken kann. Ausprobiert habe ich, wie viele andere, die von Schlaflosigkeit geplagt sind, schon alles mögliche. Der Markt an Hilfsmittelchen ist mittlerweile groß. Geholfen haben sie mir allerdings kaum. Glücklicherweise treten meine Einschlafproblemen auch nur phasenweise auf. Ähnlich wie bei Theresia Enzensberger. Nicht zuletzt deshalb hat sie ihr neues Buch dem Schlaf gewidmet. Allerdings nicht, um ihre persönlichen Tipps zu teilen, sondern vielmehr, um die vielen Facetten und Zwischenräume des Schlafs zu beleuchten. Denn Schlaf, so Theresia, ist keinesfalls eine reine Privatangelegenheit. Ob wir gut oder schlecht schlafen, hängt auch mit unserer Gesellschaft, in der wir leben und mit der wir verwoben sind, zusammen. Und wenn immer mehr Menschen schlecht schlafen, dann kann ein Markt mit Schlafoptimierungsangeboten allein nicht die Lösung sein. Aber was dann?

Darüber und mehr habe ich mit der Autorin Theresia Enzensberger im Podcast gesprochen. Und falls euch das Gespräch gefallen sollte, schaut danach am besten in die Shownotes, denn unter allen, die Sinneswandel via Steady supporten, verlose ich ein Exemplar von Theresias Buch “Schlafen”. Jetzt starten wir aber erstmal, also nicht einschlafen.

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch diese Folge gefallen hat, teilt sie gerne mit euren Freundinnen und Freunden. Und falls ihr meine Arbeit finanziell supporten wollt, könnt ihr das ganz einfach via Steady oder, indem ihr mir einen Betrag eurer Wahl an Paypal.me/Sinneswandelpodcast schickt. Unter allen Unterstützer*innen verlose ich dieses Mal ein Exemplar von “Schlafen”. Also schaut am besten in den Shownotes vorbei, da findet ihr alle Infos und Links zur Folge. Das war’s von mir! Bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast. Und schlaft gut.

11. Juni 2024

Elly Oldenbourg: [Warum] sollten wir weniger arbeiten?

von Marilena 4. März 2024

New Work wird gerne als Buzzword verwendet – aber was steckt eigentlich dahinter? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ex Google-Managerin Elly Oldenbourg in ihrem Buch “Workshift”. Darin stellt sie die Frage, warum wir anders arbeiten müssen, um unser Morgen zu retten. Wie das konkret gelingen kann, darüber hat sie mit Marilena Berends in dieser Folge gesprochen.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Elly Oldenbourg
► Workshift. Warum wir heute anders arbeiten müssen, um unser Morgen zu retten; Campus, 02/24
► Mehr zu Ellys philosophischem Morgen.Salon
► Elly auf Instagram
► Bitkom New Work Umfrage 02/2024

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Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in dieser Episode zu begrüßen.

New Work – bestimmt ist euch dieses Buzzword schon mal begegnet. Ich muss ja zugeben, wenn ich New Work höre, sehe ich Kickertische, Obstschalen und bunte Sofas in Großraumbüros vor mir. Also das, was scheinbar einige – natürlich nicht alle – Unternehmen unter “Neuem Arbeiten” verstehen. Eigentlich verbirgt sich darunter natürlich vielmehr: Es geht unter anderem um flexible Arbeitszeitmodelle, Gleichberechtigung, Diversität, Nachhaltigkeit – oder abgekürzt: es geht um strukturellen Wandel. 

Und der ist, allein schon vor dem Hintergrund des demografischen Wandels oder des rasanten KI-Fortschritts, dringend nötig. Blöd nur, dass, laut einer aktuellen Bitkom Umfrage, jedes sechste Unternehmen New Work für reinen “Firlefanz” hält. Und das, obwohl fast 90% der befragten Unternehmen zugeben, dass sie ihre Arbeitskultur modernisieren müssten, um für Young Talents, wie es so schön heißt, attraktiv zu bleiben. Tjaja, die Gen-Z lässt sich eben nicht mehr mit leeren Versprechungen von Work-Life-Balance abspeisen. Aber was dann?

Ein “Workshift” muss her, sagt Elly Oldenbourg. Sie hat gerade ein Buch unter diesem Titel herausgebracht. Schon vor vielen Jahren, als Elly noch als Managerin bei Google war, hat sie sich die Frage gestellt: Wie will ICH eigentlich arbeiten? Und von diesen Überlegungen und darauffolgenden Job-Experimenten ist sie schließlich auf die großen Fragen gestoßen: Was macht eigentlich gutes Arbeiten aus, das menschliche und planetare Grenzen wahrt? Wie sähe ein Leben aus, in dem wir mehr Zeit für Gemeinschaft bleibt? Und welche Rolle und Verantwortung tragen Unternehmen dabei, diese Räume zu ermöglichen?

Über all das und mehr habe ich mit Elly gesprochen. Der Transparenz halber möchte ich noch kurz erwähnen, dass wir während der Aufzeichnung einen kleinen Technik-Aussetzer hatten, sodass ich ein paar Minuten des Gesprächs nachträglich aufnehmen musste. Inhaltlich hat es dem Gespräch aber, würde ich sagen, nicht geschadet. In diesem Sinne, let’s go!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn euch das Gespräch mit Elly gefallen hat, teilt es gerne mit euren Freunden oder Arbeitskollegen. Unter allen, die Sinneswandel via Steady supporten, verlose ich dieses Mal ein Exemplar von Ellys Buch “Workshift”. Wie ihr daran teilnehmen könnt, könnt ihr in den Shownotes nachlesen. Da findet ihr, wie immer, auch alle Infos und Links zur Folge. Das war’s von mir! Bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

4. März 2024

Daniel Schreiber: Wie verändert [uns] Trauer?

von Marilena 7. Dezember 2023

Trauer ist etwas zutiefst menschliches, sagt Autor Daniel Schreiber und fragt sich, wieso sie so wenig Raum in unserem Alltag erhält. Ausgehend von seiner persönlichen Erfahrung mit dem Tod seines Vaters erzählt er in seinem neuen Essay „Die Zeit der Verluste” davon, wie die Trauer ihn verändert hat. Und er spricht über all jene Verluste, die über das Persönliche hinausgehen. Über gesellschaftliche Umbrüche, die wir gerade durchleben. Wie gehen wir mit ihnen um? Geben wir uns genug Raum um Abschied zu nehmen? Und muss Trauer wirklich überwunden werden? Mehr dazu im Gespräch mit Marilena Berends im Sinneswandel Podcast.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Daniel Schreiber auf Instagram
► Daniel Schreiber: Die Zeit der Verluste, Hanser, 11/23

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in der heutigen Episode zu begrüßen.

Ich weiß nicht, wie viele Regenschirme ich in meinem Leben schon verloren habe. Vermutlich kann ich sie kaum noch an einer Hand abzählen. 

Wenn wir Gegenstände, wie einen Regenschirm oder eine Mütze verlieren, dann ist das natürlich ärgerlich – vor allem, wenn sie uns etwas bedeuten. Aber dieser Verlust ist nicht vergleichbar mit dem eines gebliebenen Menschen. Verlieren wir einen Angehörigen, einen Freund oder einen Partner, hinterlässt dieser Mensch eine Lücke, die sich nicht schließen lässt. Etwas Unwiederbringliches ist verloren und das fühlen wir – ob wir wollen oder nicht.

Trauer ist etwas zutiefst menschliches, sagt Autor Daniel Schreiber und fragt sich, wieso sie so wenig Raum in unserem Alltag erhält. Ausgehend von seiner persönlichen Erfahrung mit dem Tod seines Vaters erzählt Daniel in seinem neuen Essay „Die Zeit der Verluste” davon, wie die Trauer ihn verändert hat. Und er spricht über all jene Verluste, die über das Persönliche hinausgehen. Über gesellschaftliche Umbrüche, die wir gerade durchleben. Wie gehen wir mit ihnen um? Geben wir uns genug Raum um Abschied zu nehmen? Und muss Trauer wirklich überwunden werden?

Über all das und mehr habe ich mit Schriftsteller und Journalist Daniel Schreiber im Podcast gesprochen. Bevor es losgeht, noch ganz kurz vorweg: Wenn ihr Sinneswandel gerne hört, dann freue ich mich, wenn ihr meine Arbeit unterstützt. Das geht ganz einfach via Steady oder indem ihr mir an Paypal.me/Sinneswandelpodcast einen Betrag eurer Wahl schickt. Unter allen Unterstützer*innen verlose ich dieses Mal ein Exemplar von “Die Zeit der Verluste”. Wie ihr teilnehmen könnt, steht in den Shownotes. Vielen Dank!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank auch an euch fürs Zuhören. Wenn euch das Gespräch mit Daniel Schreiber gefallen hat, dann freue ich mich, wenn ihr eure Gedanken mit mir teilt. Per Mail oder über Spotify – dort könnt ihr seit kurzem Kommentare unter jeder Folge hinterlassen. Und, wie gesagt, falls ihr meine Arbeit via Steady oder Paypal unterstützen wollt, findet ihr alle Links und Infos dazu in den Shownotes. Das war’s von mir! Bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

7. Dezember 2023

Saralisa Volm: Muss ich meinen Körper lieben?

von Marilena 5. Oktober 2023

Wie viel Hyaluron passt in das Gesicht einer intelligenten Frau? Wie viel Botox kann ich meiner politischen Haltung zumuten? Überall ist Körper. Überall ist Bewertung. Kein Entkommen. Was macht das mit uns [Frauen]? Darüber spricht Marilena Berends mit Schauspielerin, Filmproduzentin und Kuratorin Saralisa Volm. Im April 2023 hat sie ihr autobiographisches Buch, “Das ewige Ungenügend. Eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers”, herausgebracht.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► Website Saralisa Volm
► Saralisa Volm: Das ewige Ungenügend: Eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers, Ullstein, 04/23
►Saralisa Volm auf Instagram

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in dieser Episode zu begrüßen.

Ich bin ein Kind der 90er. Das heißt auch, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der “Size Zero” so ziemlich allen Mädchen und Frauen ein Begriff war. Es war die Zeit, in der Kate Moss ungeniert sagen konnte: „Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt“ – und kein Shitstorm ist ausgebrochen. Es war die Zeit, in der “Thigh Gaps” ein Muss waren und Marken wie Abercrombie & Fitch mit ihren durchtrainierten Models den Markt regierten. Immerhin gab es damals noch kein Social Media. 

Heute hat sich vieles geändert: Der Hashtag “Body Positivity” bringt es bei TikTok auf über 42 Milliarden Views. Wir diskutieren über die Vielfalt von Körperformen und üben feministische Kritik.  Gleichzeitig erkranken immer mehr, vor allem Mädchen, an Essstörungen. Und die Zahl junger Menschen, die Schönheitskliniken aufsuchen, nimmt rapide zu. Irgendwie ganz schön ambivalent alles.

Genau das beschäftigt auch Saralisa Volm. Sie ist Schauspielerin, Filmproduzentin, Regisseurin, Kuratorin und Mutter von vier Kindern. Seit sie denken kann, hat sie sich mit ihrem Körper beschäftigt. Und eigentlich war sie nie zufrieden mit ihm. Genau das sei aber gewollt, sagt sie. Denn wären Frauen zufrieden mit ihrem Aussehen, womit ließe sich dann Geld verdienen?

In ihrem Buch „Das ewige Ungenügend: Eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers“ spricht Saralisa offen über ihre frühere Bulimie, über Scham, Selbsthass und die Angst vor dem Älterwerden. Aber vor allem ist ihr Buch ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dass ein Sinneswandel notwendig ist, um die strukturellen Muster zu durchbrechen, die nach wie vor Sexismus schüren und uns klein halten. Wie das gelingen kann, darüber habe ich mit Saralisa im Podcast gesprochen.

Noch ganz kurz vorweg: Wenn ihr Sinneswandel gerne hört, dann freue ich mich, wenn ihr meine Arbeit unterstützt. Das geht ganz einfach via Steady oder indem ihr mir an Paypal.me/Sinneswandelpodcast einen Betrag eurer Wahl schickt. Unter allen Unterstützer*innen verlose ich außerdem ein Exemplar von Saralisa Volms Buch “Das Ewige Ungenügend”. Alle Links dazu findet ihr in den Shownotes. Vielen Dank!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank euch fürs Zuhören. Wenn euch das Gespräch mit Saralisa gefallen hat, dann freue ich mich, wenn ihr den Podcast mit anderen Menschen teilt. Und falls ihr meine Arbeit via Steady oder Paypal supporten wollt, findet ihr alle Links und Infos dazu in den Shownotes. Das war’s von mir! Bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

5. Oktober 2023

El Hotzo: Wofür schämst du dich [nicht]?

von Marilena 9. Mai 2023

Seine Tweets erreichen täglich Millionen Menschen. Darin geht es um Haferschleim, der im Gewand des Porridge ein Comeback feiert. Nicht selten handeln sie aber auch von Selbstzweifeln und Depressionen. Auf jeden Fall schwingt in seinen Worten oft eine Gesellschaftskritik mit, was beweist, dass Humor alles andere als belanglos sein oder auf Kosten anderer gehen muss. Die Rede ist von Sebastian Hotz – besser bekannt als El Hotzo. Mit ihm hat Marilena Berends über Selbstfindung, Selbstzweifel und seinen Debüt Roman “Mindset” gesprochen.

Shownotes:

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

► El Hotzo auf Instagram und Twitter
► Sebastian Hotz: “Mindset”, Kiwi-Verlag 04/23

✉ redaktion@sinneswandel.art
► sinneswandel.art

 



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in der heutigen Episode zu begrüßen.

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal auf seine Tweets gestoßen bin. Es muss aber irgendwann zu den tiefsten Zeiten der Corona-Pandemie gewesen sein. Und ich erinnere mich noch, dass ich wohl nicht die einzige gewesen sein muss, die sich in diesen unterhaltsamen Zweizweilern wiederfinden konnte. Zumindest wurden sie mir als Repost immer häufiger in meinen Feed gespült. Heute erreicht er allein mit seinem Instagram Kanal mehr als 1 Million Menschen. Die Rede ist von Sebastian Hotz – besser bekannt als El Hotzo. Bestimmt habt ihr einen seiner Tweets schon gelesen: manchmal geht es darin um Haferschleim, der im Gewand des Porridge ein Comeback feiert. Nicht selten handeln sie aber auch von Selbstzweifeln und Depressionen – oder vielmehr unserem gesellschaftlichen Umgang damit. Auf jeden Fall schwingt in seinen Worten oft eine Gesellschaftskritik mit, was beweist, dass Humor alles andere als belanglos sein oder auf Kosten anderer gehen muss.

Eher habe ich den Eindruck, dass in Sebastians Tweets auch etwas Selbsttherapeutisches liegt. Jeden Tag ein Post, wie ein Tagebucheintrag. Und es gibt scheinbar genug Stoff, der zur Reflexion anregt. Jetzt hat es sogar für ein ganzes Buch gereicht. “Mindset”, heißt Sebastians Debüt Roman, der vor wenigen Wochen erschienen ist. Der ist nicht minder komisch und erzählt unter anderem von Selbstverwirklichungs-Coaches, Krypto-Fantasien und zu engen Slim-Fit Anzügen.

Aber, was hat das alles mit Sebastian selbst zu tun? Der ist 1996 in einem kleinen Ort in Oberfranken groß geworden. Und war, wie er selbst sagt, nicht gerade ein “Gewinner-Typ”. Und irgendwie fragt er sich manchmal selbst auch, wie er überhaupt zu dem werden konnte, der er heute ist: Autor, Comedian, Schauspieler. Ehrlich gesagt interessiert mich weniger, wie er das genau geschafft hat, so erfolgreich zu werden. Vielmehr möchte ich wissen, welchen Sinneswandel Sebastian durchlaufen ist, was ihn bewegt, woran er glaubt und zweifelt.

Deswegen haben wir genau darüber im Podcast gesprochen. Kurz vorweg: Wenn ihr den Podcast gerne hört, dann freue ich mich natürlich, wenn ihr meine Arbeit unterstützt. Das geht ganz einfach via Steady oder indem ihr mir an Paypal.me/Sinneswandelpodcast einen Betrag eurer Wahl schickt. Unter allen Unterstützer*innen verlosen wir außerdem ein Exemplar von Sebastians Buch “Mindset”. Alle Links dazu findet ihr in den Shownotes. Vielen Dank!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank euch fürs Zuhören. Wenn euch das Gespräch mit Sebastian gefallen hat, teilt es gerne mit euren Freunden. Und falls ihr meine Arbeit via Steady oder Paypal supporten wollt, findet ihr in den Shownotes alle Links und Infos. Das war’s von mir! Danke an euch fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

9. Mai 2023

Teresa Bücker: Wie finden wir mehr Zeit [für einander]?

von Marilena 17. Januar 2023

Zeit ist die zentrale Ressource unserer Gesellschaft. Aber sie steht uns längst nicht gleichermaßen zur Verfügung. Mit der Autorin und Journalistin Teresa Bücker spricht Marilena Berends über Ideen, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann, die für mehr Gerechtigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgt.

Shownotes:

Der Werbepartner der heutigen Episode ist HelloFresh. Mit dem Gutscheincode HFSINNESWANDEL ist für Neukund*innen in Deutschland und Österreich nicht nur der Versand für die erste Kochbox kostenlos, sie sparen auch bis zu 90 Euro auf die ersten 4 Kochboxen. In der Schweiz sind es mit HFSINNESWANDEL bis zu CFH 140.

► Teresa Bücker: Alle_Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit, Ullstein 11/22
► Teresa findet ihr auf Twitter und Instagram
► Zwischenzeit_en  heißt Teresas Newsletter auf Steady

Macht [einen] Sinneswandel möglich, indem ihr Steady Fördermitglieder werdet. Finanziell unterstützen könnt ihr meine Arbeit auch via Paypal.me/sinneswandelpodcast. Danke.

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► sinneswandel.art



Transkript:

Hallo und herzlich willkommen im Sinneswandel Podcast. Mein Name ist Marilena Berends und ich freue mich, euch in der heutigen Episode zu begrüßen.

Es heißt, Zeit könne man sich nicht kaufen. Was ist dann aber mit der Putzkraft, die unser Haus sauber hält, mit dem Babysitter, der auf unsere Kinder aufpasst oder dem Pfleger, der uns im Alter füttert? Kaufen wir diesen Menschen nicht ihre Zeit ab? Und das nicht selten für einen Preis, für den wir selbst nicht den Finger rühren würden? In einer Gesellschaft, die unter notorischer Zeitnot leidet, können es sich nur diejenigen leisten, sich mehr Freizeit zu verschaffen, die über das notwendige Kapital verfügen. Der Rest muss weiter mit der Zeit um die Wette laufen.

Zeit ist eine Frage von Macht und Freiheit, sagt die Autorin und Journalistin Teresa Bücker. Häufig reden wir von Zeit als etwas, das sich individuell optimieren lässt, um Stress zu reduzieren oder effizienter zu sein. Für Teresa ist Zeit aber viel mehr: eine zentrale Ressource unserer Gesellschaft. Deshalb plädiert Teresa in ihrem Buch für eine neue Zeitkultur, die für mehr Gerechtigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen würde. Eine zentrale Rolle spielt für die zweifache Mutter dabei die Care-Arbeit oder vielmehr die “Care-Revolution”, auf die Teresa hofft. Was es damit auf sich hat und wie wir zu mehr Zeitbewusstsein kommen, darüber habe ich mit ihr gesprochen.

Falls ihr nach dem Podcast mehr zu dem Thema erfahren wollt, könnt ihr das in Teresa Bückers Buch, “Alle_Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit”, von dem wir unter allen, die Sinneswandel auf Steady supporten, ein Exemplar verlosen. Wie ihr teilnehmt, steht in den Shownotes. Jetzt erstmal viel Freude beim Zuhören!

[Gespräch]

Outro

Vielen Dank euch fürs Zuhören. Wenn euch das Gespräch mit Teresa gefallen hat, teilt es gerne mit euren Freunden. Und ihr wisst, dieser Podcast wäre nicht möglich, wenn es nicht ein paar Menschen gäbe, die meine Arbeit unterstützen. Danke an alle, die das bereits tun. Damit ich Sinneswandel weiterhin produzieren kann, freue ich mich über euren Support. Das geht ganz einfach über die Plattform Steady oder indem ihr mir via Paypal.me/Sinneswandelpodcast einen Betrag eurer Wahl schickt. Das geht auch schon ab einem Euro und steht alles in den Shownotes.

Das war’s von mir! Danke an euch fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal im Sinneswandel Podcast.

17. Januar 2023
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